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Ehrenschlaraffe Baumeister-Barock

Zum Lebenslauf
Die wesentlichsten Werke Stengels
Der Ehrenschlaraffe Baumeister-Barock, Friedrich Joachim Stengel, 1694 - 1787 Ehrenschlaraffe Baumeister Barock
Friedrich Joachim Stengel, 1694 - 1787

Der Ehrenschlaraffe Baumeister-Barock, Friedrich Joachim Stengel, 1694 - 1787
Collage: Foto des Baumeisters mit einem Auszug aus dem Schmierbuch der 1781. Sippung, gefechst von Rt. Lum-Bazi








Friedrich Joachim Stengel

Lebenslauf
Friedrich Joachim Stengel wird am 29. September 1694 in Zerbst/Anhalt geboren.
1708 beginnt er eine Ausbildung an der Königlich Preußischen Akademie der Bildenden Künste und Mechanischen Wissenschaften in Berlin.
Ausbildungsfächer sind:
  • Festungsbauwesen
  • Zivil-Baukunst
  • Geschützkunde und
  • Geometrie
1712 trat er in die militärischen Dienste des Herzogtums Sachsen-Gotha. In diesen Diensten war er als Fahnenjunker eines Sachsen-Gothaischen Regimentes einige Monate im Rahmen des Spanischen Erbfolgekrieges in Norditalien.
Bevor er 1714 mit dem Regiment nach Gotha zurückkehrte, nahm er 1713 an Gefechten am Rhein, vorwiegend in Mannheim und Philippsburg teil.
1715 wird Stengel dem Sachsen-Gothaischen Oberbau-Direktor unterstellt und arbeitet als Landvermesser.
1719 trat er in als Feldvermesser bei der Landesrenovatur in die Dienste des Herzogtums Sachsen-Eisenach.
1720 heiratet er Katharina Hoffmann.
1721 tritt er in die Dienste der Fürst-Abtei Fulda. Dort übte er folgende Tätigkeiten aus:
  • Feldmesser (1726 Riß der Stadt Fulda)
  • Pyrotechniker
  • Festarrangeur
  • Lehrer der fürstlichen Pagen für Zeichnen und Mathematik
Am 10.09.1727 wird er zum Bau-Inspektor ernannt. Er führt Planungen der Architekten Maximilian von Welsch und Andreas Gallasini an dem Stadtschloß und der Orangerie in Fulda aus. Es wird vermutet, dass er die Planungen bei der Ausgestaltung des Kaisersaales und den Entwurf der Floravase, einer Gartenskulptur, selbständig ausführte.
1729 erleidet Stengel beim Bau eines Barometers eine Quecksilbervergiftung. Nach seiner Genesung verläßt Stengel, nicht zuletzt aus religiösen Motiven (er war Protestant), die katholische Stadt Fulda.
1730 tritt er wieder in die Dienste des Herzogtums Sachsen-Gotha. Hier arbeitet er als:
  • Geometer bei der Steuerrevision und
  • Ingenieur bei militärischen Befestigungsanlagen.
1732 wird sein Gesuch auf die Stelle eines Bau-Verwalters abgelehnt.
1733 wechselt Stengel in die Dienste von Naussau-Ussingen als Hofarchitekt des jungen Fürsten Karl.
Es folgen erste eigenständige Arbeiten als Architekt:
  • Umbau des Schlosses in Usingen
  • Weiterbau des Schlosses in Biebrich:
    • Fertigstellung der Innengestaltung der von Maximilian von Welchs begonnenen Bauteilen:
      - Rotrunde
      - Galerien
    • Entwurf und Bau des Marstalltraktes und
    • ab 1740 des sogenannten Winterbaues
  • Neubau der evangelischen Kirche in
    • Gräwenwiesbach, von 1737 - 1738 und
    • Heftrich, von 1737 - 1739
1735: Der nassauische Besitz wird unter die fürstlichen Brüder geteilt:
  • Karl erhält die rechtsrheinischen Gebiete
  • Wilhelm Heinrich die linksrheinischen Gebiete.
    Die baulich verwahrloste Stadt Saarbrücken soll als Residenzstadt für Wilhelm Heinrich ausgebaut werden.
Stengel reist erstmals nach Saarbrücken. Er berichtete über die baulichen Verhältnisse in der Stadt und beginnt mit ersten Planungen für ein neues Schloß.
1738: Beginn des Neubaues des Saarbrücker Schlosses, welches 1748 fetiggestellt wurde.
1739 reist Stengel gemeinsam mit Wilhelm Heinrich nach Paris und studiert die aktuelle Architektur.
1740 zieht Stengel mit seiner Familie nach Saarbrücken. In den folgenden Jahrzehnten baut er die Stadt systematisch als barocke Residenzstadt um und aus. In vielen zu Nassau-Saarbrücken gehörenden Ortschaften wird er als Oberbaudirektor tätig sein.
Zu seinen umfangreichen Aufgaben gehören:
  • Erarbeitung einer Bauordnung
  • Vermessung des Landes
  • Planung und Anlage neuer Stadräume und -erweiterungen
  • Entwurf und Ausführung von Kirchen für verschiedene Konfessionen
  • Entwurf und Ausführung von profaner Architektur untschiedlicher Art
  • Schloß- und Palais-Bauten
  • Zweck- und Nutzbauten, z.B.:
    • Marstall
    • Orangerie
    • Tuchkammer
    • Kutschenhaus
    • Gymnasium
    • Hospital
    • Wohnbauten
    • Industrie-Anlagen
    und vieles mehr.
1741 stirbt seine Ehefrau Katharina geb. Hoffmann.
1742 heiratet er Klara Storch, die erste Kammerjungfer der Fürstin Charlotte Amalie von Nassau-Usingen.
Aus dieser Ehe stammen die beiden Söhne Johann Friedrich Stengel und Balthasar Wilhelm Stengel, die später beide als Baumeister in die väterlichen Fußstapfen treten.
1743 ist die Grundsteinlegung für die reformierte Kiche in Saarbrücken.
1745 Wird die Wilhelm-Heinrich-Straße als erste Saarbrücker Stadterweiterung geplant, in welcher auch Stengels privates Wohnhaus entsteht.
1748 ist der Beginn der Umgestaltung des Saarbrücker Schloßplatzes und seiner Randbebauung.
1751, März bis Mai: Stengel hät sich in Zerbst und Dornburg auf, um die Ausführungsarbeiten seines Entwurfes für das Schloß Dornburg, einer Auftragsarbeit für die Mutter der späteren Zarin Katharina II., Fürstin Johann Elisabeth von Anhalt-Zerbst, einzuleiten.
Ab August beginnt für Stengel ein "unbefriedigendes Zwischenspiel" als Baudirektor in Gotha, das er im April 1752 beendete.
1752: Stengel macht vor seiner Rückreise nach Saarbrücken in Zerbst und Dornburg Station, um den Fortgang der Arbeiten am Schloßbau zu kontrollieren; seine zukünftigen Beiträge zum Dornburger Schloßbau erfolgen schriftlich aus Saarbrücken.
In Saarbrücken wird er wieder in die Dienste von Nassau-Saarbrücken aufgenommen und zum Kammer-Rat ernannt und der Ausbau Saarbrückens wird fortgesetzt.
Es folgen eine Reihe von Baumaßnahmen:
  • 1752: Beginn der Planungen für Schloß Jägersberg in Neunkirchen (1760 fertiggestellt?)
  • Grundsteinlegung der katholischen Kirche St. Johann
    • 1758: Weihe
    • 1763: Turm
  • 1755: Planungen zum Witwenpalais in Ottweiler; fertig: 1759
  • 1762: Grundsteinlegung der neuen lutherischen Kirche.
    In den folgenden Jahren entsteht Stengels letztes bedeutendstes Werk:
    • die Ludwigskirche und
    • der Ludwigsplatz mit seiner Randbebauung
    in Saarbrücken.
1763 schreibt Stengel seinen Lebenslauf für seine Frau und seine Kinder.
1764 schreibt er sein erstes Testament.
1768: nach dem Tod des regierenden Fürsten entwirft Stengel das Grabmal für Wilhelm Heinrich in der Saarbrücker Schloßkirche. Der Nachfolger Wilhelm Heinrichs, Fürst Ludwig von Nassau-Saarbrücken, reduziert die Bautätigkeit zur Sanierung der Staatsfinanzen.
1769 wird Schloß Ludwigsberg bei Saarbrücken der Landsitz für Fürst Ludwig - die Keimzelle für die späteren, ausgedehnten Garten- und Parkanlagen Ludwigsberg, Schönthal und Dianenhain.
25. August 1775: Die Ludwigskirche wird feierlich eingeweiht. Der 81-jährige Stengel tritt an diesem Tag in den Ruhestand. In den folgenden Jahren wird er von Fall zu Fall gutachterlich herangezogen.
Seine Nachfolger als Leiter des Bauamtes sind Johann Hermann Josef von Waldner, bis 1778, Johann Philipp von Welling und Balthasar Wilhelm Stengel, ab 1785.
1776 verfasst Stengel sein zweites Testament.
1780 ergänzt er seinen Lebenslauf.
1784 wird Friedrich Joachim Stengel neben anderen mit der Erstellung eines Vorschlages zum Wiederaufbau der eingestürzten Alten Brücke über die Saar beauftragt, er kommt dieser Aufgabe nicht mehr nach.
10. Januar 1787: Friedrich Joachim Stengel stirbt im Alter von 92 Jahren und wird zwei Tage später in Saarbrücken beerdigt.

Fürst Ludwig bewilligt Klara Stengel eine jährliche Witwenpension in Höhe von 160 Gulden, weil:
"Uns von dem verstorbenen Cammer Rath Stengel lang jährige treue Dienste geleistet worden, auch deßen Sohn, Unser dermaliger Cammer Rath, in solchem Diensteifer fortfähret."

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Bauwerke Stengels

Saarbrücken

1754 - 1758
Altes Rathaus
1754 - 1758
Basilika St. Johann
1766
Erweiterung des Erbprinzenpalais am Schloßplatz
1743 - 1751
Friedenskirche
ab 1769 Ludwigsberg
1762 - 1775
Ludwigskirche
1762 - 1775
Ludwigsplatz
1738 - 1748
Schloß

Weitere Bauwerke in Saarbrücken

Gasthaus Adler,
Bahnhofstraße 16
Gasthaus Horch
Gasthaus Horch:
Innenhof
Schloßberg

St. Johanner Markt
Talstraße

Bauwerke außerhalb Saarbrückens

Im Saarland
Dirmingen
Umbau der evangelischen Kirche
Neunkirchen Schloß Jägersberg
Ottweiler
Witwenpalais (ca. 1760)
Pavillon im Herrengarten (1758/59)

Außerhalb des Saarlandes
Juggenheim/RP
bei Mainz
evangelische Kirche
Kirchheimbolanden/RP Kavaliershäuser der Neuen Allee
Pirmasens/RP Pläne für das Rathaus
(ausgeführt ca. 1770)
ehemalige Grafschaft Saarwerden
Lothringen und "krummes Elsaß"
Berg: evangelische Kirche (ab 1770)
Harskirchen: evangelische Kirche (1766/67)
Hirschland: evangelische Kirche (1755)
Biebrich/He Schloß Biebrich: West- und Ostflügel (1740-44)
Grävenwiesbach/He Evangelische Kirche (1737/38)
Heftrich/He Evangelische Kirche (1738)
Usingen/He Schloß Usingen (1733 - 38)
Dornburg
Sachsen-Anhalt
Schloß Dornburg (ab 1751)

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